Wie funktioniert eigentlich die Haut? Das Ziegel-Mörtel-Modell

Wie funktioniert eigentlich die Haut? Das Ziegel-Mörtel-Modell

Unsere Haut: Schutzschild und Sinnesorgan

Unsere Haut umhüllt uns wie ein schützender Mantel. Sie bewahrt uns vor Umwelteinflüssen und stellt gleichzeitig die Verbindung von uns mit der Außenwelt dar. Die äußerste Schicht der Haut nennt man deshalb auch "Hautbarriere". Die Haut schützt den Körper vor Wärme als auch vor Kälte; gegen UV-Strahlen kann sie Pigmente bilden, sich sozusagen „verdunkeln“ und damit Schaden abwenden.

Sie ist aber nicht nur Grenze, sondern auch Verbindung mit der Welt, die uns umgibt. So nimmt sie UV-Strahlung auf, und bildet damit das für den Hormonhaushalt wichtige Vitamin D. Und weil die Haut durchlässig ist, können wir Erkrankungen und Schmerzen mit Salben wirksamer und schonender als mit Tabletten lindern. Die in der Haut (genauer: in der Lederhaut, siehe dazu die Grafik) liegenden Nerven ermöglichen uns, Dinge buchstäblich zu be-greifen, und Streicheleinheiten für die Haut sind Balsam für unsere Seele.

Zusätzlich zu all diesen Funktionen kommt noch das Vermögen unserer Haut, sich ständig selbst fit zu halten: Die in Kontakt mit der Umwelt stehenden Zellen werden permanent erneuert, Wasser wandert vom Inneren des Körpers in die Haut und hält sie feucht und über Talgdrüsen fettet sich die Haut bei Bedarf ständig selbst. Ganz schön toll, nicht?

Das Ziegel-Mörtel-Modell

Um besser zu verstehen, wie das Wunderwerk Haut funktioniert, ist das sogenannte Ziegel-Mörtel-Modell hilfreich. Die äußerste, direkt mit der Umwelt in Kontakt stehende Schicht heißt im Fachbegriff Stratum Corneum. Sie bildet die oben genannte Hautbarriere. 

Darunter befindet sich die Lederhaut mit den Talgdrüsen, die für die "Befettung" der Haut zuständig sind. Auch die Schweißdrüsen befinden sich in der Lederhaut. Sie übernehmen eine wichtige Funktion beim Einhalten einer konstanten Körpertemperatur. Weiterhin sitzen hier die für das Haarwachstum zuständigen Haarfollikel. Schließlich verlaufen in der Lederhaut auch Nerven, die uns Reize wie Wärme, Kälte aber auch Berührungen anzeigen. Die letzte, zum Körperinnern hin liegende Hautschicht ist dann die Unterhaut. Sie beinhaltet Fett- und Bindegewebe und größere Blutgefäße.

Die Hautbarriere: Feuchthaltefaktoren und Lipide

Aus kosmetischer Sicht ist die oberste Schicht, die Hautbarriere oder das sogenannte Stratum Corneum von besonderer Bedeutung: Nicht nur können wir sie über Pflege mit Kosmetika direkt erreichen. Sie zeigt uns auch sofort, wie es der ganzen Haut geht - nicht selten Gradmesser für das gesamte individuelle Wohlbefinden.

Die Barriereschicht besteht aus Hautzellen, die aus der Tiefe des Gewebes Stück für Stück nach außen wandern. Sind sie "oben" angekommen, werden sie als Hautschüppchen abgestoßen. Diese Hautzellen werden Korneozyten genannt. In der Grafik siehst du einen vergrößerten Ausschnitt aus der Barriereschicht: Stell dir diese Korneozyten wie kleine Ziegelsteine vor. Sie sind mit dem sogenannten Hydro-Lipid-Film umgeben, der die "Ziegelsteine" in einer Matrix festhält.

Der Zusammenhalt wird durch eine ausgeklügelte Mischung aus Fetten (Lipiden) und sogenannten Feuchthaltefaktoren gebildet. Oft wird auch die Abkürzung NMF für (engl.) natural moisturizing factor verwendet. Es handelt sich dabei um eine ganze Gruppe von körpereigenen Substanzen wie Milchsäure, Natriumlactat, Aminosäuren und anderen Verbindungen. Sie alle sind hydrophil, das bedeutet "wasserliebend", und dank dieser Eigenschaft können sie Wasser in der Haut festhalten und binden. Der "Mörtel" sorgt also wie durch ein elastisches Netz für eine glatte, funktionsfähige, gesunde Hautoberfläche gesorgt, die immer mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt ist.

Wie deine Hautbarriere stark bleibt

Die schlechte Nachricht: Mit dem Alter, durch Krankheit oder einfach durch Veranlagung kann die Hautbarriere gestört sein. So, als ob Ziegel aus einer alten Mauer herausbrechen, weil der Mörtel spröde und löchrig geworden ist, wird die Haut rau und schuppig. Darunter leidet dann auch die Hautbarriere, sie wird "löchrig", weshalb nun krankmachende Keime eindringen können. Außerdem kann nicht mehr genug Wasser in der Haut festgehalten werden und verdunstet, sodass die Haut trocken und faltig wird.

Die gute Nachricht: Gute Kosmetik kann der Haut von außen zurückgeben, was ihr im Inneren fehlt. Dadurch können fehlende Lipide wieder in die Membranen der Zellen eingebaut und natürliche Feuchthaltefaktoren aufgefüllt werden. Die Haut erholt sich und kann ihre schützende Funktionen wieder erfüllen. Sie erhält Geschmeidigkeit und Festigkeit zurück und wir haben wieder ein angenehmes Hautgefühl - eben wie von einem schützenden Mantel eingehüllt.

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