Sprechen wir über Konservierung!
Neulich im DIY-Badezimmer ...
Creme: Oh Gott, mir ist schlecht. Ich glaube, ich kippe!
Serum: Oje! Aber sag mal ... Du hast nicht etwa wieder auf deine Konservierung verzichtet?
Creme [druckst rum]: Hmnaja – ich wollte doch unbedingt „natürlich“ sein!
Serum: Natürlich? Dann geht's dir jetzt natürlich schlecht ... seufz

... Oder: Warum auch Naturkosmetik konserviert ist
Egal ob selbst gemacht, ob konventionell oder natürlich: Kosmetische Produkte wie Cremes, Lotions, Seren, Tonics usw. sollen Wellness für unsere Haut sein – und nicht für Mikroorganismen! Wir erklären dir, was gute naturkosmetische Konservierung ist und wie sie die Qualität unserer Produkte unterstützt.
👉 In diesem Beitrag erfährst du:
- warum auch Naturkosmetik immer konserviert ist,
- wie natürliche Konservierungsstoffe wirken und warum sie deine Haut nicht schädigen
- und warum Begriffe wie „Frischekosmetik“ in unseren Augen Verbrauchertäuschung sind.
Darum ist Konservierung wichtig
Stell dir vor, du bereitest ein leckeres Tiramisu zu und verwendest lauter gute, frische Zutaten wie frische Mascarpone, rohes Eigelb und frisch aufgeschlagenen Eischnee. Und dann lässt du das Tiramisu mal für eine Woche auf dem Küchentisch stehen – würdest du es dann noch essen? Eben 😏.
Mit Kosmetik ist es genauso: Gerade in naturkosmetischen Produkten sind so viele gute, natürliche Zutaten drin, dass sie nicht nur für unsere Haut, sondern leider auch für Hefen, Bakterien und Pilze ein echter Leckerbissen sind ...
Deshalb verwendet man Substanzen, die die Vermehrung von Mikroorganismen behindern. Würde man das nicht tun, hätte man binnen kürzester Zeit einen wilden Mix verschiedenster Mikroorganismen in der Creme – und schließlich auf der Haut! Dort können sich äußerst hässliche Entzündungen einnisten, die grade bei Pilzen und Hefen als Verursacher auch noch sehr hartnäckig in ihrer Bekämpfung sind. Nein, das wollen wir nicht!
So wirkt das Konservierungsmittel in der Creme
Jede Kosmetik, die Wasser enthält, ist anfällig für mikrobiologischen Verderb. Erst durch den Zusatz von Konservierungsmitteln wird es ein wirklich sicheres Produkt!
Beachte: Eine Emulsion kann bereits eine für unsere Haut kritische Verkeimung aufweisen, ohne dass wir es ihr ansehen oder es am Geruch feststellen [1].
In der Naturkosmetik sind nur natürliche, also keine synthetischen Stoffe zugelassen, das gilt genauso für konservierende Stoffe. Glücklicherweise stellt uns die Natur hier reichlich Auswahl bereit, da manche Pflanzen sich zum Beispiel durch bestimmte Substanzen davor schützen, gefressen zu werden und manche dieser Stoffe nicht nur offenbar schrecklich schmecken, sondern auch eine antimikrobielle Wirkung haben. Praktisch für uns!
Natürliche Konservierungsmittel wirken, indem sie die Zellen zerstören oder so manipulieren, dass sie sich nicht mehr teilen (vermehren) können:
- 70 %iger Alkohol (Ethanol) dringt in die Zelle ein, denaturiert das Protein und zerstört die Zellmembran. Die Zelle löst sich auf.
- Zertifizierte Breitbandkonservierer enthalten Stoffe aus ätherischen Ölen oder Extrakte aus Pflanzen, die die Zellteilung verhindern. Vorhandene Keime sterben mit der Zeit ab, sodass das Produkt nach einigen Tagen steril ist.
- Sogenannte multifunktionale Additive haben feuchtigkeitsspendende Eigenschaften und weisen zusätzlich eine konservierende Wirkung auf. Meist werden sie für zuverlässige Konservierung mit Salzen wie Kaliumsorbat ergänzt.
Bedenkliche Stoffe wie Parabene, Phenoxyethanol oder Isothiazolinone, die im Verdacht stehen, gesundheitsschädigend zu wirken, werden in der Naturkosmetik nicht verwendet.
So wirkt das Konservierungsmittel auf deiner Haut
Wenn aber nun die Konservierungsmittel – selbst die zertifizierten und in der Naturkosmetik erlaubten – gegen Mikroorganismen in der Creme wirken, zerstören sie dann nicht auch meine natürliche Hautflora?
Wenn wir eine Creme oder Lotion auf unsere Haut auftragen, dann ist das nur ein sehr dünner Film, das heißt, die Konservierung, die den Cremetiegel zuverlässig schützt, wird ordentlich "verdünnt". Von den Hunderttausenden (!) von Mikroorganismen, die auf jedem Quadratzentimeter unserer Haut leben (man schätzt bis zu 1 Million/cm²), werden zwar einige durch den Konservierer in ihrem Wachstum gehemmt. Die große Fülle und Vielfalt unseres Haut-Bioms wird aber letztlich nicht wirklich beeinträchtigt. Außerdem werden die in der Naturkosmetik verwendeten Stoffe sozusagen "aufgefuttert" und können sich nicht anreichern – alles gar kein Vergleich zum Schadenspotential verkeimter Kosmetik 🤢!
Und was ist jetzt "Frischekosmetik"?
Manche Marken bewerben ihre Produkte als "Frischekosmetik" oder schreiben, dass ihre Produkte "ohne Konservierungsmittel" auskommen. Stimmt das denn? Nein! Dürfen die das? Naja ... 😏
Rechtlich nutzen jene Hersteller hier eine Grauzone aus, nämlich dass Stoffe, wie beispielsweise die multifunktionale Additive, nicht als Konservierungsstoffe deklariert werden müssen, wenn sie überwiegend nicht zum Zweck des Konservierens eingesetzt werden. Allerdings ist das ja nun etwas schwammig und für den Verbraucher nicht wirklich transparent – konserviert sind diese Produkte aber selbstverständlich auch!
Fazit:
Unsere Haut kann mit einer begrenzten Anzahl fremder Keime umgehen, das natürliche Mikrobiom ist ein guter Schutz. Nehmen die Fremdkeime jedoch überhand, können ihre Stoffwechselprozesse das hauteigene Gleichgewicht empfindlich stören und zu Irritationen bis hin zu schweren Hauterkrankungen führen. Deshalb ist ausnahmslos jedes kosmetische Produkt, das wasserhaltig ist, konserviert, auch wenn das teilweise durch geschicktes Marketing verschleiert wird (warum eigentlich, fragen wir uns?) 😊
Literatur:
- Kosmetik konservieren? Beitrag auf Olionatura, abgerufen am 12.12.2025
